
Invasive Pflanzen in Deutschland
Sommerflieder, Kirschlorbeer, Goldrute: Welche Gartenpflanzen in Deutschland als invasiv gelten, warum sie problematisch sind — und was du stattdessen pflanzen kannst.
Invasive Pflanzen in Deutschland: Diese Gartenpflanzen werden zum Problem
Invasive Pflanzen in Deutschland sind exotische Arten, die sich unkontrolliert ausbreiten und heimische Ökosysteme verdrängen. Sommerflieder, Kirschlorbeer und Japanischer Knöterich gehören zu den problematischsten Vertretern. Trotzdem findest du diese Arten noch immer in Gartencentern, Baumärkten und Online-Shops – oft ohne Warnhinweise. Alle hier genannten Pflanzen sind weiterhin in Gartencentern, Baumärkten oder Online-Baumschulen erhältlich.
Was macht Pflanzen invasiv?
Eine Pflanzenart gilt als invasiv, wenn sie ursprünglich nicht in Deutschland heimisch ist, sich ohne menschliche Hilfe stark vermehrt und dabei heimische Arten oder ganze Lebensräume gefährdet. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) führt eine Managementliste mit über 40 problematischen Arten, während die EU-Unionsliste besonders gefährliche Arten für den Handel verbietet.
Die meisten invasiven Gartenpflanzen haben typische Eigenschaften: Sie wachsen extrem schnell, bilden viele Samen oder breiten sich über Wurzelausläufer aus. Gleichzeitig haben sie hier keine natürlichen Feinde wie Insekten oder Krankheiten, die ihre Ausbreitung begrenzen würden.
Das Problem: Viele dieser Arten sind nach wie vor im normalen Gartenhandel erhältlich. Baumärkte wie Hornbach oder OBI führen Kirschlorbeer und Sommerflieder standardmäßig im Sortiment, da die Nachfrage hoch ist. Online-Baumschulen verkaufen sogar besonders wüchsige Sorten.
Die größten Problempflanzen im Überblick
Sommerflieder (Buddleja davidii)
Der Sommerflieder lockt zwar Schmetterlinge an, verdrängt aber gleichzeitig die heimischen Pflanzen, auf die deren Raupen angewiesen sind. Seine Samen verbreiten sich kilometerweit über den Wind und keimen selbst in kleinsten Mauerritzen.
Du bekommst Sommerflieder als Containerware von März bis November in jedem Gartencenter. Besser ist die Rispige Steinmiere (Holosteum umbellatum), die als heimische Alternative ähnlich üppig blüht und bei Staudengärtnereien als Saatgut erhältlich ist.
Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus)
Kirschlorbeer wächst praktisch überall und bildet dichte, dunkle Bestände, unter denen kaum noch andere Pflanzen überleben. Seine Beeren werden von Vögeln gefressen und die Samen großflächig verbreitet.
Alle Baumärkte führen Kirschlorbeer-Heckenpflanzen das ganze Jahr über als günstige Containerware. Als heimische Heckenpflanze eignet sich die Hainbuche (Carpinus betulus) deutlich besser – sie ist als Wurzelware von Oktober bis April sogar preiswerter.
Japanischer Knöterich (Fallopia japonica)
Diese Staude wird bis zu vier Meter hoch und überwuchert ganze Uferböschungen. Schon kleine Wurzelstücke reichen aus, um neue Bestände zu gründen.
Obwohl der Japanische Knöterich auf der EU-Unionsliste steht, taucht er noch gelegentlich in Online-Shops auf. Für naturnahe Gärten ist der Wasserdost (Eupatorium cannabinum) die bessere Wahl – erhältlich als Containerware in Staudengärtnereien von März bis Oktober.
Goldrute (Solidago canadensis und S. gigantea)
Beide Goldrutenarten breiten sich über unterirdische Ausläufer rasant aus und dominieren binnen weniger Jahre ganze Wiesen und Brachflächen.
Goldruten bekommst du noch immer als "Gartenstauden" in vielen Online-Shops. Die heimische Gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea) ist bei Wildpflanzen-Gärtnereien als Alternative verfügbar und bleibt deutlich niedriger.
Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum)
Der Riesen-Bärenklau kann schwere Hautverbrennungen verursachen und überwuchert mit seinen bis zu drei Meter hohen Blättern ganze Waldlichtungen.
Diese Art ist zwar handelsmäßig verboten, wird aber manchmal noch als "Mammutblatt" angeboten. Ungefährliche Alternativen wie die Pestwurz (Petasites hybridus) gibt es bei spezialisierten Teichpflanzen-Gärtnereien.
Gute Alternativen richtig finden
Heimische Pflanzen sind nicht automatisch langweilig oder pflegeaufwendig. Viele einheimische Arten blühen genauso spektakulär wie ihre exotischen Verwandten und sind an unser Klima perfekt angepasst.
Spezialisierte Wildpflanzen-Gärtnereien wie Hof Berg-Garten oder die Staudengärtnerei Gaißmayer führen hunderte heimische Arten als Containerware oder Saatgut. Auch größere Gartencenter erweitern ihr Sortiment an regionalen Pflanzen stetig.
Bei der Auswahl hilft die Regel: Je ähnlicher die Standortansprüche, desto besser funktioniert der Ersatz. Für sonnige, trockene Plätze eignen sich heimische Präriepflanzen, für schattige Bereiche Waldstauden.
Timing beim Kauf
Wildstauden kaufst du am besten im Frühjahr (März bis Mai) oder Herbst (September bis Oktober). Dann ist die Auswahl am größten und die Pflanzen wachsen besser an. Gehölze als Wurzelware gibt es nur in der laublosen Zeit von Oktober bis April – dafür deutlich günstiger als Containerware.
Was du mit vorhandenen invasiven Pflanzen machst
Bestehende invasive Pflanzen musst du nicht sofort komplett entfernen. Wichtig ist, dass sie sich nicht weiter ausbreiten können.
Bei Sommerflieder schneidest du die Blütenstände vor der Samenreife ab. Kirschlorbeer solltest du regelmäßig zurückschneiden und aufkommende Sämlinge sofort entfernen. Das Schnittgut gehört in den Restmüll, nicht auf den Kompost.
Langfristig ersetzt du invasive Pflanzen schrittweise durch heimische Alternativen. So bleibt dein Garten optisch ansprechend, während du gleichzeitig etwas für die heimische Natur tust.
Häufige Fragen
Sind alle nicht-heimischen Pflanzen problematisch?
Nein, nur ein Bruchteil der exotischen Gartenpflanzen wird tatsächlich invasiv. Rosen, Tulpen oder Rhododendren bleiben normalerweise dort, wo sie gepflanzt wurden. Problematisch werden vor allem Arten, die sich selbst aussäen oder über Ausläufer vermehren.
Wo kann ich heimische Alternativen kaufen?
Spezialisierte Wildpflanzen-Gärtnereien führen das größte Sortiment heimischer Arten. Auch viele normale Gartencenter erweitern ihr Angebot an regionalen Pflanzen. Online-Shops wie Naturgarten-Samen oder Rieger-Hofmann bieten Saatgut-Mischungen für verschiedene Standorte.
Was kostet der Umstieg auf heimische Pflanzen?
Heimische Wildstauden kosten meist genauso viel wie exotische Gartenstauden – etwa 3 bis 8 Euro pro Pflanze. Gehölze als Wurzelware sind sogar deutlich günstiger als die üblichen Containerpflanzen. Saatgut ist die preiswerteste Variante, braucht aber mehr Geduld.
Wann ist die beste Zeit zum Umpflanzen?
Stauden verpflanzt du am besten im Frühjahr (März bis Mai) oder Herbst (September bis Oktober). Gehölze setzt du in der laublosen Zeit von Oktober bis April um. Dann haben sie genügend Zeit zum Einwurzeln, bevor die nächste Wachstumsperiode beginnt.
Fazit
Invasive Pflanzen sind ein echtes Problem für die heimische Natur – aber du kannst beim Gärtnern aktiv gegensteuern. Heimische Alternativen sind genauso schön und oft sogar pflegeleichter als ihre problematischen Verwandten.
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